Vorankündigung:

Günter Gleising:
Verbrechen der Wirtschaft – Der Anteil der Wirtschaft an der Errichtung der Nazidiktatur, der Aufrüstungs- und Kriegspolitik im Ruhrgebiet 1925-1945
Mit einem Geleitwort von Ulrich Sander, Bundessprecher der VVN - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten.

ca. 264 Seiten, mit zahlreichen Dokumenten und Fotos
ISBN: 978-3-931999-22-3
ca. 18,00 Euro
Erscheinungstermin Mai 2017

Die Ausgangsfragestellungen: Wie war es möglich, dass Hitler und seine Nazipartei innerhalb weniger Jahre von einer politischen Splittergruppe zu einer politisch einflussreichen Kraft werden konnten? Wie war es möglich, dass Hitler schließlich Anfang 1933 die Reichskanzlerschaft angetragen werden konnte? Wie war es möglich, dass das faschistische Regime an der Macht innerhalb von 6 Jahren in der Lage war, einen Krieg zu führen und halb Europa zu unterjochen? Wie war es möglich, dass die größten Teile des deutschen Volkes Hitler auch dann noch folgten, als die Niederlage deutlich zu erkennen war?

Hitlers Aufstieg und der seiner Partei wäre ohne die Unterstützung der Wirtschaft nicht möglich gewesen. Besonders an Rhein und Ruhr fand er schnell große Hilfe und finanzielle Gönner. Dabei kam zusammen, dass sich das Interesse der Wirtschaft an der Beseitigung der Hemmnisse an der Profitmaximierung mit Hitlers politischem und ökonomischem Programm traf. In der Autark- und Rüstungspolitik sahen viele Industrielle frühzeitig beste Entfaltungs- und Profitmöglichkeiten.

Das jetzt vorgelegte Buch belegt auch anhand zahlreicher Fotos und Zeit-dokumenten, wie es Hitler gelang, sich von 1925 an im Ruhrgebiet zu verankern und Gelder bei Industriellen einzusammeln. Im Düsseldorfer Industrieclub waren am 26. Januar 1932 über 600 hohe Wirtschaftsvertreter und Industrielle der Schwerindustrie von Hitlers Ausführungen derart begeistert, dass der Ruf „Hitler an die Macht“ immer größer wurde. In letzten Gesprächen mit maßgeblichen Vertretern der Wirtschaft in Köln und Dortmund wurden schließlich die Weichen dafür gestellt, dass Reichspräsident von Hindenburg die Macht in Hitlers Hände legte. Hitler und seinen Naziorganisationen gelang es innerhalb weniger Wochen, die Arbeiterbewegung zu zerschlagen, die verbliebenen bürgerlichen Oppositionellen beiseite zu schieben und das Land mit Gewalt und Terror zu überziehen. Mit Wissen, Billigung und Unterstützung der Wirtschaft wurde die Demokratie abgeschafft, die Republik zerschlagen.

Das Buch bietet viele Einblicke in die Struktur und die Mechanismen, die diese Entwicklung schufen. Begünstigt von der gewaltigen Konzentrationswelle der Schwerindustrie im Ruhrgebiet, dem enormen Einfluss von Industriellen wie Krupp, Thyssen, Borbet, Vögler, Flick und Springorum, den Ergebnissen der Abwälzung der Krisenlasten auf die arbeitende und arbeitslose Bevölkerung, konnte schnell Hitlers Programm der Aufrüstungs- und Kriegspolitik umgesetzt werden. Krupp wurde wieder Rüstungsschmiede, der Bochumer Verein zusammen mit der übernommenen HANOMAG zum technologisch führenden Entwicklungskonzern für Rüstung ausgebaut. Die Schwerindustrie eilte von Rekordergebnis zu Rekordergebnis.

Die Konzerne an Rhein und Ruhr wurden zum Instrument der totalen Kriegsführung, der Ausbeutung der eigenen Bevölkerung ebenso wie der Ausbeutung der unterworfener Länder und ihrer Menschen. Die Unterdrückung der jüdischen Bürgerinnen und Bürger ab 1933 fand ihre Fortsetzung in der Einverleibung des jüdischen Besitzes in deutsche Betriebe und Konzerne und wenig später im Holocaust. Die Zwangsarbeit im Ruhrgebiet wurde zur Massenerscheinung und gipfelte in der Errichtung von vielen Hundert Zwangsarbeiterlagern und dem Bau von KZ-Außenlagern.

Am Ende des Buches wird angerissen, wie die wirtschaftlich Mächtigen versuchten, sich eine reine Weste zu verschaffen oder der Entnazifizierung zu entgehen. Andere mussten zwar in Haftanstalten, wurden aber schnell wieder entlassen. Große Teile des technologischen und innovativen Potentials der Ruhrwirtschaft und vor allem der Rüstungsindustrie wurde schon bald vor allem von der US-amerikanischen Besatzungsmacht in die USA transferiert. Dabei ging es um die Innovationen der Stahlindustrie und Kohlewirtschaft ebenso wie Technologien der Kriegstechnik und den Raketenbau. Am letztgenannten war z. B. auch der Bochumer Verein mit der Luft-Luftrakete „Ruhrstahl X 4“ beteiligt.

Das Inhaltsverzeichnis:

  1. Von der wirtschaftlichen zur politischen Macht – Beispiele aus dem Ruhrgebiet
  2.  Die Anfänge der Hitler-Bewegung und die Rolle der Förderer aus Industrie, Wirtschaft und Kapital beim Aufbau und der Etablierung der NSDAP im Ruhrgebiet
  3. Beiträge von Betrieben und Wirtschaftsvereinigungen an der Errichtung der Nazidiktatur
  4. Wirtschaftspolitik der NSDAP und Ausbau der Diktatur
  5. Das große Geschäft mit Hitlers Aufrüstungs- und Kriegspolitik
  6. Rüstungsschmiede Bochumer Verein – Ein exemplarisches Beispiel
  7. Kohle, Benzin, Fett und Geld für den Krieg
  8. Die Profiteure profitieren
  9. Produktion für den totalen Krieg
  10. Zwangsarbeit und KZ-Außenlager
  11. Widerstand und Solidarität
  12. Das Ende, das kein Ende war

 


Kapp-Putsch und Märzrevolution 1920

„‘Möge das Buch dazu beitragen, Geschichte vor Ort neu zu entdecken und zu bewerten’, hofft Gleising (S. 10). Er hat das Feld reich bestellt.“*

Der RuhrEcho Verlag weist daraufhin, dass das umfangreiche Buch zu den Ereignissen zum Thema Kapp-Putsch und Märzrevolution 1920 noch erhältlich ist:

Günter Gleising, Mitarbeit Anke Pfromm
Kapp-Putsch und Märzrevolution 1920 (II)
Ereignisse und steinerne Zeugen
Gräber und Denkmäler zwischen Rhein und Weser erzählen Geschichte

536 Seiten; zahlreiche Dokumente und Fotos ISBN: 978-3-931999-16-2; 24,00 Euro

Bestellungen über den Buchhandel oder direkt: bestellung@ruhrecho.de oder über die Website www.ruhrecho.de.

Aus der lokalen und regionalen Erforschung für das Rheinisch-Westfälische Industriegebiet, dem heutigen Land Nordrhein-Westfalen beleuchtet das Buch die spontanen Reaktionen zur Abwehr des Kapp-Lüttwitz-Putsches und der Fortführung des Kampfes, der zur Märzrevolution 1920 wurde.

Die Ereignisse des Jahres 1920 blieben in Erinnerung vieler Menschen. Die Toten ehrte man mit Denkmälern, mit den Hinterbliebenen wurde Solidarität geübt. Romane und Theaterstücke verarbeiteten die Geschehnisse und jährlich fanden „Märzfeiern” der Arbeiterbewegung statt. Unterbrochen von der Zeit der Herrschaft des Naziregimes von 1933 bis 1945 gibt es bis heute Zeichen der Erinnerung an die damaligen Ereignisse. Dem Teil der Totenehrung, der Schaffung und des Umgangs mit den Denkmälern der Märzgefallenen, widmet sich ein großer Teil des Buches.

„...Gleising (hat) eine Unmenge an Quellen und Literatur verarbeitet, bis hin zu lokalen Zeitungen, sodass er seine Thesen mit zahlreichen eingestreuten Faksimiles von Plakaten und aus Gemeinderatsprotokollen, Fotos und Zitatkästen auflockern kann.“*

Auch noch lieferbar:
Günter Gleising Kapp-Putsch und Märzrevolution 1920 (I) - Ereignisse und Schauplätze in Bochum und Umgebung, RuhrEcho Verlag, ISBN 978-3-931999-15-5, 9,90 Euro, neu aufgelegt.

Anlage:
Rezensionen ABG Heft 1_2016-Kapp-Putsch
Inhalt-Kapp-Putsch-Band II

* Matthias Dohmen in Arbeit, Bewegung, Geschichte. ZEITSCHRIFT FÜR HISTORISCHE STUDIEN 2016, JahrBuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung, S. 209

www.isbn-16.ruhrecho.de