ISBN 18 – Langendreer und Werne unterm Hakenkreuz – Anmerkungen

Die VVN - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten hat ein neues Heft in ihrer Schriftenreihe zur antifaschistischen Geschichte Bochums herausgegeben. Der Titel lautet: „Langendreer und Werne unterm Hakenkreuz – Naziterror, Widerstand, Verfolgung und Krieg – 1933-1945“. Autor ist Günter Gleising, stellv. Vorsitzender der VVN - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten, der bereits zahlreiche Arbeiten zur Geschichte der Arbeiterbewegung und des Faschismus veröffentlicht hat.

In der Schrift wird geschildert wie in den beiden typischen Industriestadtteilen von Bochum die Nazis an die Macht kamen und diese ausübten. Eindrucksvoll wird dargestellt wie im Jahr 1933, ausgehend von der SA-Unterkunft in der stillgelegten Ziegelei Nieder-Westermann, Angehörige der Arbeiterbewegung und Juden von Nazis drangsaliert, misshandelt und gefoltert wurden.

Breiten Raum nimmt der antifaschistische Widerstand ein, der von Angehörigen der Arbeiterbewegung aus den beiden Stadtteilen geleistet wurde, der vielfach auch vernetzt mit anderen Widerstandsgruppen war. Dargestellt wird auch der christliche Widerstand und die Auseinandersetzungen innerhalb der Kirchengemeinden mit Anhängern des Naziregimes. „Vom Boykott zur Deportation“ lautet das Kapitel, das sich mit der Verfolgung und der Opfer der Shoah befasst.

Langendreer und Werne wurde in den 1930er Jahren zu einem Zentrum von Rüstungsproduktion und Kriegsvorbereitung. Herausragend dabei die Bombenfabrik des Bochumer Vereins auf dem Gelände der früheren Westfälischen Drahtwerke in Langendreer mit 1.600 Beschäftigten. In den chemischen Betrieben Amalia wurde hochoktaniges Benzin für die Luftwaffe hergestellt sowie ungarisches und rumänisches Erdöl aus eroberten Gebieten verarbeitet. Der Güterbahnhof Langendreer wurde zur Drehscheibe des Kohletransports und des Versandes von Rüstungsgütern.

Was Krieg für die beiden Stadtteile bedeutete, wurde sofort mit Beginn des „Polenfeldzuges“ im September 1939 deutlich, als in den Zeitungen die ersten Todesanzeigen von gefallenen Wehrmachtssoldaten erschienen, die Bezugsmengen für Lebensmittel verringert wurden und in beiden Stadtteilen der Bunkerbau forciert wurde. Dargestellt wird die Zwangsarbeit im Bochumer Osten, die in 18 Zwangsarbeitslagern in Werne und Langendreer bis 1945 erfolgte. Eindrucksvoll die Berichte von einigen Zwangsarbeitern aus den örtlichen Lagern.

Die Schrift endet mit dem Kapitel „Befreiung von Faschismus und Krieg“ sowie der Darstellung zweier Lebensläufe, dem Nazi Paul Nieder-Westermann aus Langendreer und dem Antifaschisten Robert Schreiber aus Werne.

Wolfgang Dominik, Lehrer und Mitglied des Vorstandes der VVN – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten, sagte: „Ich habe die Hoffnung, dass sich viele Menschen mit den aufgeworfenen Themen beschäftigen und die Schrift vor allem in den Schulen eine gute Resonanz findet.“ Außerdem rief Dominik dazu auf, aktiv gegen Neofaschismus zu werden.