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Januar 1933: Die Machtübertragung an Adolf Hitler

Januar 1933:
Die Machtübertragung an Adolf Hitler

Mit großer Unterstützung der Ruhrindustrielen kam Hitler 1933 an die Macht. Hitler im Kreis seiner Stahlbarone: Vögler, Thyssen, Borbert

Führende Vertreter der Wirtschaft und der Banken unternahmen große Versuche, den deutschnational / konservativen Politiker Franz von Papen für eine Regierung unter Hitler zu gewinnen. Im Haus des Bankiers von Schröder (Bankhaus Stein) in Köln kamen am Morgen des 4. Januar 1933 Hitler und von Papen zu einem Gespräch zusammen.

Im Arbeitszimmer des Bankiers war auch Schröder zugegen, der das Treffen arrangiert hatte. Im Grundsatz einigten sich Hitler und von Papen auf eine gemeinsame Regierung aus Nationalkonservativen und Nazis mit Hitler als Reichskanzler und von Papen als Vizekanzler. Die Reichswehr sollte mit der Ernennung von General Werner von Blomberg eingebunden werden und der mächtige Pressezar Alfred Hugenberg mit seinen engen Verbindungen zur Schwerindustrie an Rhein und Ruhr –Hugenberg war von 1912-1925 Vorsitzender des Vereins für bergbauliche Interessen in Essen– war als Wirtschaftsminister vorgesehen. Papen traf nach der Unterredung den Industriellen Paul Silverberg in dessen Kölner Haus und Hitler die Industriellen Emil Kirdorf und Fritz Thyssen in Mülheim. Drei Tage später fand in Dortmund in der Villa Springorums eine Unterredung zwischen von Papen und den Industriellen Fritz Springorum, Gustav Krupp, Albert Vögler und Paul Reusch statt. Nach weiteren Gesprächen … setzte sich die Konzeption durch, auf die sich Hitler und von Papen bereits am 4. Januar in Köln geeinigt hatten.

Es kam der 30. Januar. An diesem Tag im Jahr 1933 ernannte Reichspräsident Paul von Hindenburg Hitler zum Reichskanzler, der eine Regierung aus drei Mitgliedern der NSDAP und acht konservativ/reaktionären Politikern bildete. Franz von Papen wurde Vizekanzler, Alfred Hugenberg (DNVP) Wirtschafts- und Ernährungsminister und Hermann Göring (Minister ohne Geschäfts-bereich) wurde der starke Man in der Innenpolitik und bei der Polizei.

Große Teile der Wirtschaft und der Banken, der Landjunker, der politischen Eliten sowie der Reichswehrführung sahen sich am Ziel ihrer Wünsche und unterstützten die Entwicklung hin zu einem autoritären Regime mit weitgehenden Rechten für die Wirtschaft und das Militär.

Hitler dachte überhaupt nicht daran, die Macht zu teilen. Im Gegenteil, er gebrauchte sie zielstrebig, um die Position der NSDAP weiter auszubauen. Schon am 1. Februar löste er den Reichstag auf und bestimmte Neuwahlen zum 6. März. Die Nazis, die mit Reichs-Innenminister Frick und Göring als kommissarischem preußischem Innenminister und Reichstagspräsidenten wichtige Schlüsselpositionen besetzt hatten, konnten jetzt fast uneingeschränkt im Innern wirken. Göring verjagte im Februar 1933 zunächst die meisten Polizeipräsidenten in den Städten aus ihren Ämtern. Stattdessen setzte er dort Vertrauensleute der Nazis ein. In Bochum beispielsweise ersetzte Göring Stanislaus Graß, ein Mitglied der Zentrumspartei, durch den Kasseler Stadtrat Sarrazin, der sich als ein williges Werkzeug der Nazis erwies. In Dortmund wurde der Hattinger SA-Führer Wilhelm Schepmann, seit 1925 NSDAP-Mitglied, ernannt.

Am 17. Februar folgte Görings Befehl an die preußische Polizei zum rücksichtslosen Gebrauch der Schusswaffe gegenüber den politischen Gegnern. Fünf Tage später wurde in Preußen die SA, SS und Teile des Stahlhelm zur Hilfspolizei. In Dachau und in Oranienburg begann der Aufbau der ersten Konzentrationslager. Proteste gegen diese Vorgehensweise aus der Wirtschaft gab es nicht: Im Gegenteil, wurde von dieser Seite Zustimmung und Unterstützung signalisiert.

Aus: Günter Gleising - Verbrechen der Wirtschaft - Der Anteil der Wirtschaft an der Errichtung der Nazidiktatur, der Aufrüstungs- und Kriegspolitik im Ruhrgebiet 1925 – 1945, Bochum 2017, RuhrEcho Verlag Bochum. Bestellung an: bestellung@ruhrecho.de

Folgt, die Machtergreifung in Bochum demnächst.