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ISBN 27 – Widerstand und Verfolgung Bochumer Frauen und Zwangsarbeiterinnen 1933-1945 – Medienecho

Buchbesprechung von Annemarie Grajetzky

Die Broschüre ist das Ergebnis einer Recherche von Karin Finkbohner, Betti Helbing, Carola Horn, Anita Krämer, Astrid Schmidt-Ritter, Kathy Vowe: Der Projektgruppe "Wider das Vergessen" im Frauenverband Courage e.V. Ortsgruppe Bochum.
Sie forschten nach Schicksalen Bochumer Frauen, die sich in ihren individuellen Lebensbereichen gegen das Nazi-Regime gestellt haben und auf Grund ihres Widerstandes verfolgt worden sind.
Ist in der Vergangenheit überwiegend über den Widerstand von Männern gegen das Naziregime berichtet worden, so begegnen uns in dieser Broschüre engagierte Bochumer Frauen, die sich mutig der braunen Diktatur auch in Bochum widersetzten. Sie taten das in ihren jeweiligen Lebensbereichen, oft unspektakulär, aber konsequent.
Ein erster allgemeiner Teil beschäftigt sich mit der Situation der der Frauen im Faschismus und mit der NS-Frauenideologie.

Im 2. Kapitel werden die Ergebnisse einer Aktenrecherche aufgezeigt. Hier wurden die Schicksale von Frauen dokumentiert, deren Widerstand und Verfolgung sich auf ihre Partei- und Gruppenzugehörigkeit gründete. Erwähnt sei hier die Sozialdemokratin Elisabeth König, die leicht neben ihren Mann Heinrich König in Vergessenheit gerät. Oder Hedwig Kunold, Mitglied der KPD, die selbst im Gefängnis ihrer Partei treu bleibt. Oft ist die Widerstandstätigkeit der Frauen weder hoch organisiert noch besonders spektakulär.
Widerstand aus der Bevölkerung, dieser allgemeine, nicht organisierte Widerstand aus dem Alltag heraus war vielfältig. Er war meist Ausdruck persönlicher Empörung, der Betroffenheit, des Mitgefühls., aber auch im Sinne eines politischen Bewusstseins eine Unmutsäußerung oder ein verbaler Protest gegen die Nazi-Diktatur, wie bei Lilli Zwenger, der Rüstungsarbeiterin beim Bochumer Verein, die Hitler die Schuld an den furchtbaren Ereignissen gab: "Und warum dies alles? Alles nur wegen eines kleinen, wahnsinnigen Gefreiten."

Das dritte Kapitel richtet den Blick auf die Opfer des Rassenwahns . Auf die jüdische Bevölkerung, wie Else Hirsch und Ottilie Schönewald . Auf die Sinti und Roma : Emma Kreuz und Appolonia Pfaus.

Frau Jachnow von der Gesellschaft Bochum-Donezk stellt in ihrem Gastbeitrag einige Schicksale von Zwangsarbeiterinnen in Bochum vor.

Diese Broschüre ist dokumentarisch genau, sie ist ein gelungener Beitrag zur Erinnerungskultur. Die Vergangenheit bleibt darin insofern gegenwärtig als sie in der Gegenwart lebendig erinnert wird.
Den Widerstandsfrauen wird ihre Würde zurückgegeben, deren Anerkennung die Grundlage des Friedens unter den Menschen ist.
Diese 80 Seiten – von den Verfasserinnen bescheiden "Broschüre" genannt – sind ein wichtiges kleines Buch zur Zeitgeschichte.
Ich wünsche diesem Buch viele Leser und Leserinnen, nicht nur in Bochum.

Annemarie Grajetzky